14. Mai 2020

„If you have a mind and a body, you can do Yoga“ (Wenn ihr auf das Titel Foto klickt bekommt ihr den vollständigen Text mit Fotos)

Jeden Mittwoch Abend kommt eine Gruppe zusammen. Diese Gruppe ist eine inklusive Yogagruppe. Unter den Teilnehmern sind einige dabei, die ihre Umgebung „anders“ wahrnehmen. Denn diese sogenannten Teilnehmer der Gruppe – ich als Lehrerin inbegriffen, sind hörgeschädigt oder auch taub. Häufig machen diese Menschen die Erfahrung, nicht verstanden zu werden sowie falsch eingeschätzt zu werden. Da sie nichts hören, bzw. schlechter hören, meint man von ihnen, dass sie nichts von ihrer Umwelt mitbekommen oder auch Unterstützung bedürfen. Jedoch täuscht man sich in der Ansicht. Menschen mit einer Hörschädigung hören zwar nicht richtig , aber sind sinnestechnisch anders ausgerichtet, was ihnen ermöglicht, ihre Umwelt ebenfalls wahrzunehmen und sogar vielleicht auch etwas intensiver, da sie viel mehr spüren, über ihr taktiles Sinnesorgan. Sie können viel mehr aufnehmen über ihr visuelles Wahrnehmungsorgan. Diese Fähigkeiten sind für einen Hörenden nicht vorstellbar, doch es funktioniert super. In der Yogastunde am Mittwoch kommen hörende und schwerhörige Yogis zusammen und machen gemeinsam Yoga. Diese Gruppe wird von mir betreut und angeleitet. In den anderen Yogastunden die von mir an anderen Tagen angeboten werden, nehmen auch Menschen mit körperlichen, psychischen sowie geistigen Beeinträchtigungen teil. Alle Yogagruppen sind inklusiv. Es wird auf jeden einzelnen eingegangen. Daher ist es wichtig, dass die Gruppen nicht so groß sind. Die Yogastunden sind FÜR ALLE…

In dieser Yogastunde können sich alle Beteiligten mittwochs ab 17 Uhr voll und ganz auf sich selbst konzentrieren. Sie werden in ihren Stärken sowie auch Schwächen beachtet, toleriert und akzeptiert.

Die Beachtung der Individualität des Teilnehmers ist wie schon erwähnt, ein wichtiger Bestandteil in den Yogastunden. Die einzelnen Asanas (Yogahaltungen) werden individuell an jeden einzelnen Teilnehmer angepasst und werden dann so ausgeführt, wie es jedem Einzelnen möglich ist und er sich wohlfühlt. Alle können Yoga machen. Selbst Rollstuhlfahrer und ältere Menschen, die in ihren Bewegungen vielleicht nicht mehr ganz so flexibel sind, können Yoga machen. Da kommt mir spontan der Gedanke an Else Funk aus Riegelsberg, die mit 93 Jahren noch Yogaunterricht gibt und ihre Kurse sind sehr gefragt. Auch in meinem Kurs am Mittwoch sind die Teilnehmer unter anderem schon über 70 Jahre alt und sind immer wieder aufs neue erstaunt, was ihr Körper doch alles noch kann. Diese Erkenntnis und die Zugänge zum eigenen Körper, schenkt uns Yoga.

Ziel ist es, dass jeder Teilnehmer der Yogastunde die Möglichkeit hat, sich in seinen Schwächen und Stärken zu erkennen, sich in diesen auszuprobieren, zu akzeptieren sowie zu respektieren und sein Selbstwertgefühl zu steigern. Jeder Mensch ist individuell und somit glücklich, wenn er aufhört sich zu vergleichen oder sich anzupassen.

„Die Persönlichkeit beginnt dort, wo der Vergleich aufhört“ – Karl Lagerfeld

In dem von Jivana Heymann erfundenen Accessible Yoga konzentriert man sich auf das tatsächliche “ innere Glück“ und man wird darin unterstützt, in dem, was man kann und in seinen Stärken noch besser zu werden. Seine Grenzen zu erkennen, diese zu akzeptieren und sich darüberhinaus nicht zu verausgaben. Für jeden gibt es die Möglichkeit und den Zugang zum Yoga, egal ob man körperliche , organische, psychische oder geistige Einschränkungen hat oder noch nie Yoga gemacht hat usw. Der Accessible Yoga unterstützt nicht das Bild des Yogis, welches sich aus schlanken, muskulösen sowie flexiblen Körpern konstruiert. Durch dieses Bild werden viele Menschen darin verunsichert, den Yoga auszuprobieren. Durch das Bild des Yogis, welches in den Medien dargestellt wird, entsteht eine Paradoxie. Dabei befolgt man nicht mehr die wirkliche Philosophie des Yogas, sondern eher dem Mainstream der Schönheit und somit der Oberflächlichkeit, die die Menschen nicht zu dem tatsächlich inneren Glück sowie der Gelassenheit und Zufriedenheit gelangen lässt.

„Das einzige was der Accessible Yoga im Äußeren erreichen möchte ist, eine soziale Bewegung zu sein, die der Kommerzialisierung von Yoga Grenzen setzt und die Vorstellung wandelt, wer Yoga üben und unterrichten kann und wie ein Yogi aussieht (vgl. Jivana Heymann)

Genau diese Ansätze verfolge ich in meinen Yogastunden und mache immer wieder die Erfahrung, dass wenn ein Teilnehmer genauso genommen wird wie er ist und in seinen Stärken, Schwächen akzeptiert und respektiert wird, stellt sich die innere Entspannung ein.

Durch die basale Stimmulation, die ebenfalls in meinem Unterricht angewendet wird, werden durch die unterschiedlichsten Bewegungserfahrungen sowie Stimmulationen der Wahrnehmungsbereiche neue Körpererfahrungen gemacht sowie Zugänge zum „eigenen Ich“ neu ermöglicht und auch verstärkt.

Z.B. ist es für Menschen mit einer Hörschädigung eine Form von Sinnesförderung, indem die Teilnehmer durch die Vibrationen von Trommelschlägen ihre eigenen Körperteile sowie den Rhythmus spüren können und sogar auf ihre Art und Weise „hören“ können. Dieser erzielte Effekt löst in den Beteiligten erfahrungsgemäß eine tiefe Ruhe sowie Freude aus.

Es ist mir wichtig, dass sich jeder Teilnehmer meiner Yogastunden in seiner Person verstanden sowie angenommen fühlt.

Um die Kommunikation zu vereinfachen gibt es „Schaubilder“ zum lesen
Hilfe zur Selbsthilfe